Kam erst mit der Renaissance der Blick für die Bedeutung von Ruinen?

In der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften setzt sich Prof. Alain Schnapp mit Ruinen und der Weltgeschichte auseinander

Veröffentlicht am: Freitag, 07. Juni 2013, 15:08 Uhr (128)

FRANKFURT. „Ist eine Weltgeschichte der Ruinen möglich?“ lautet der Titel eines Vortrags, den Alain Schnapp, Professor für Klassische Archäologie an der Université Paris I – Panthéon-Sorbonne und Leiter des Instituts für „Kunstgeschichte und Archäologie“, am 12. Juni (Mittwoch) hält. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.

War den Griechen und Römern ein mit den Ruinen verbundenes Verständnis des Vergehens und der Zeitlichkeit fremd? Kann erst in Gesellschaften von einer Ästhetik der Ruinen gesprochen werden, in denen zerfallene Gebäude in einem anderen, als ihrem ursprünglichen Kontext gesehen werden? Diesen Fragen will der Vortrag durch eine vergleichende Betrachtung von klassisch-antiken, ägyptischen, mesopotamischen und chinesischen Quellen nachgehen, um aufzuzeigen, dass Ruinen eine Schlüsselfigur des historischen Denkens sind, die wie ein roter Faden die verschiedenen Darstellungen der Ruinen von der Antike bis zur Gegenwart verbindet. Der berühmte Satz Stendahls, dass das Kolosseum „heute, wo es in Trümmer fällt, vielleicht schöner ist, als in Tagen seines höchsten Glanzes“, klingt wie ein Paradigma unserer modernen Ästhetik. Die Ruine als Zeichen dessen, was sie einmal als intakter Bau war, gilt als eine Erfindung der Renaissance. Georg Simmel zufolge betrachteten die antiken Griechen und Römer Ruinen lediglich als „Stätte des Lebens, aus der das Leben geschieden ist“.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem auch auf dem Campus Westend befindlichen Institut français d’histoire en Allemagne statt. Im Anschluss: Eröffnung der Ausstellung „Simon Starling“ in der Studiengalerie.

Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org