„Anti-Poetologin“ übernimmt Poetikdozentur

Die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh spricht im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen über Grundlagen und Bedingungen ihrer literarischen Arbeit. Erste Vorlesung: 11. Juni, 18 Uhr, Campus Westend

Veröffentlicht am: Freitag, 07. Juni 2013, 09:47 Uhr (127)

FRANKFURT.  Mit „Treideln“ ist ihre Vorlesungsreihe im Rahmen der Frankfurter Stiftungsgastdozentur überschrieben – ein seltenes Wort, das eine Laufbewegung gegen die Fließrichtung eines Flusses benennt. Juli Zeh ist in der Tat eine Autorin, die im hohen Maße einen kritischen Blick auf vorgefundene Konventionen pflegt und dabei auch nicht Halt vor der Poetik macht: Schreiben lebe von der „Poetikfeindlichkeit“, hat sie einmal zugespitzt formuliert. In ihrer Poetikvorlesung, die am 11. Juni startet, möchte sie dennoch, wie sie dem UniReport der Goethe-Universität kürzlich verriet, „hoffentlich eine Menge über das Schreiben“ mitteilen.   Das Frankfurter Publikum darf bei den fünf Vorlesungen Zehs aber auch gespannt sein auf eine Autorin, die ihre Darstellungsoptionen auslotet, um neue Antworten zu elementaren gesellschaftspolitischen Fragen zu erhalten. Denn die promovierte Juristin beschäftigt sich in ihren Texten mit Aspekten der Freiheit und Sicherheit, gerade unter den Bedingungen digitaler Technologien. Dabei geht sie der Frage nach, warum eine aufgeklärte Gesellschaft ihren Individuen in einem weit geringeren Maße Zufriedenheit und Lebensfreude garantieren kann, als zu vermuten wäre. Zwar ist Literatur für Juli Zeh nicht per se eine politische Gattung, diese sei aber „in der Lage, abstrakte Fragen und menschliches Schicksal zusammenzubringen und auf diese Weise als Erkenntnismittel zu fungieren“, sagte sie im Interview mit dem UniReport. Wenn sich aber Literatur, Politik und Recht in ihren Texten begegnen, hat die Literatur Priorität: „Politik und Recht dürfen hin und wieder auf den billigen Plätzen sitzen. Wenn ich wirklich politisch sein will, schreibe ich normalerweise einen Essay und keinen Roman …“   Juli Zeh wurde für ihr Werk, das in 35 Sprachen übersetzt wurde, vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis, dem Ernst-Toller-Preis und dem Solothurner Literaturpreis. Zu ihren bekanntesten Werken zählt ihr erster Roman „Adler und Engel“ (2001). Ihr letzter Roman „Nullzeit“, ein Psychothriller, erschien 2012.

Termine:

11./18./25. Juni; 2./9. Juli,
jeweils 18 Uhr, Hörsaalzentrum, Campus Westend.
10. Juli:
Abschlusslesung im Literaturhaus (19.30 Uhr);
Begleitausstellung
im „Fenster zur Stadt“/Restaurant MARGARETE, Braubachstr. 18-22.

Interview mit Juli Zeh im aktuellen UniReport: http://www2.uni-frankfurt.de/46769046/UniReport_3-13-3_Juli_Zeh.pdf

Mehr Informationen zur Stiftungsgastdozentur Poetik unter www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de