Goethe-Universität stellt sich Urteil ihrer Studierenden

Mit über 8.500 Studierenden umfassendste Erhebung an einer deutschen Universität zu den Themen Studienwahl und Studienorganisation

Veröffentlicht am: Donnerstag, 06. Juni 2013, 12:33 Uhr (124)

FRANKFURT. Die Goethe-Universität stellt sich als eine der ersten deutschen Universitäten dem Urteil ihrer Studierenden. Mit über 8.500 Teilnehmern/-innen und mit einer Beteiligung von 22 Prozent ist diese Umfrage eine der umfassendsten Studien, die es je an einer deutschen Universität gegeben hat. 40.000 Studierende waren an Deutschlands drittgrößter Universität eingeladen, Auskunft zu geben über ihre persönlichen Präferenzen im Studium, aber auch, ihre Alma Mater in Bereichen wie Studien- und Prüfungsorganisation zu bewerten. Darüber hinaus bietet die repräsentative Studie auch ein genaues Bild der Situation in den 16 Fachbereichen. Ein zentrales Ergebnis: 80 Prozent der Studierenden würden ein Studium an der Goethe-Universität weiterempfehlen. Im Detail wird aber auch Kritik laut an fehlenden studentischen Lern- und Arbeitsplätzen sowie an der Studien- und Prüfungsorganisation.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl: „Wir freuen uns über die große Beteiligung und den insgesamt großen Zuspruch, den die Goethe-Universität bei ihren Studierenden findet. Ziel der Studie ist es, unsere Entscheidungen für die weitere Verbesserung der Studienqualität auf ein empirisch solides Fundament zu stellen. Jetzt wissen wir besser, was Studierende an ihrer Goethe-Universität schätzen und was sich noch verbessern lässt. Das hilft uns, konkrete Veränderungen vorzunehmen.“ 

Ein überraschendes Ergebnis: 24 Prozent der Studierenden der Goethe-Universität haben einen Migrationshintergrund. Dieser Wert liegt deutlich über dem des Bundesdurchschnitts (11%) und ist ein wichtiger Indikator für die große Diversität der Studierenden an der Goethe-Universität mit Menschen aus insgesamt 130 Nationen. Müller-Esterl: „Die Goethe-Universität verfügt bereits heute über ein bemerkenswertes Maß an Internationalität. Sie passt damit zu Frankfurt als der internationalsten Stadt in Deutschland.“ Ähnlich heterogen verhält es sich mit den Bildungsbiografien der Studierenden: 37 Prozent kommen aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt, was knapp dem Bundesdurchschnitt entspricht. Die Ergebnisse helfen der Universität, ihre Angebote künftig noch besser auf Bedürfnisse der Zielgruppen abzustimmen.

Zur Internationalität passt, dass Studierende der Goethe-Universität mehrheitlich (60%) einen Auslandsaufenthalt anstreben; insgesamt war ein gutes Viertel (26%) vor oder während des Studiums bereits einmal im Ausland gewesen. Diese Ergebnisse zeigen, dass es sich für die Goethe-Universität lohnt, ihre Internationalisierungsstrategie noch besser mit Studium und Lehre zu verzahnen.

Eine Frage, die viele Hochschulen und Arbeitgeber derzeit bewegt, ist die nach der Berufsqualifizierung des Bachelors. Studierende der Goethe-Universität geben darauf eine eindeutig Antwort, die auch bildungspolitisch relevant sein dürfte: 85% streben einen Master an, gut die Hälfte davon (54%) will dafür an der Goethe-Universität bleiben. Für Vizepräsidentin Tanja Brühl kommt in der sehr hohen Übergangsquote von Bachelor zum Master ein starkes bildungspolitisches Signal zum Ausdruck: „Der Bachelor wird möglicherweise von vielen Studierenden der Goethe-Universität noch nicht als vollwertiger Abschluss angesehen.“ Dass 46 % ihren Master an einer anderen Universität machen wollen, sieht Brühl dagegen als gewünschte Entwicklung an: „Mit Bologna geht eine starke Mobilität der Studierenden einher, die wir begrüßen. Die Goethe-Universität profitiert davon, dass sich sehr gute Studierende aus dem ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus für unsere Masterprogramme bewerben“, so Brühl.

Als Forschungsuniversität betont die Goethe-Universität die Wissenschaftsorientierung ihrer Lehre. Die Befragung zeigt, dass die Studierenden dieses Leitbild durchaus im Veranstaltungsangebot wiedererkennen. Auffallend dabei ist, dass diese Forschungsorientierung quer durch alle Fachkulturen mit dem klar artikulierten Wunsch der Studierenden nach Veranstaltungen zum „Einüben berufspraktischer Tätigkeiten“ (33%) sowie zur „Kontaktaufnahme mit potentiellen Arbeitgebern“ (38%) einhergeht.

Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz sieht hier die Universität am Zug, noch mehr zu tun für die Stärkung berufsqualifizierender Kompetenzen: „Universität und Lehrende müssen sich überlegen, wie sie solche Angebote noch stärker in die Studiengänge integrieren, um den Wünschen der Studierenden besser Rechnung zu tragen.“ Dabei solle insbesondere der Kontakt zur Arbeitswelt gestärkt werden – etwa durch Weiterentwicklung des Career-Centers.

Überraschend ist, dass die im Bologna-Modell vorgesehenen Studienzeiten von den Studierenden nicht angenommen werden: So erwartet nur die Hälfte der Bachelor- (50%) und ein gutes Drittel der Master- (36%) und Staatsexamensstudierenden (37%), ihr Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Als Hauptgründe für die Verzögerungen werden die eigene Erwerbstätigkeit (38%) und die Überschneidung von Lehrveranstaltungen (30%) angegeben. Letzterer Punkt sollte nun in den Fachbereichen analysiert und nach Möglichkeit behoben werden. Innerhalb der Regelstudienzeit einschließlich zwei weiterer Semester trauen sich dagegen 75% einen Abschluss zu.

Was geschieht mit den Ergebnissen der Umfrage? Dem Gesamtbericht werden fachbereichsspezifische Auswertungen folgen; in Vorbereitung sind insgesamt 26 Fachberichte. Sie sollen den Fachbereichen bzw. Instituten eine differenzierte Rückmeldung geben, in Gesprächen mit den Studierenden diskutiert werden und in konkrete Handlungsempfehlungen münden.

Geplant sind zudem Gespräche mit Studierenden zu vorher festgelegten Themen wie Internationalität, Lehramtsstudium und Studieneinstieg, in denen einzelne Aspekte der Studie vertieft werden können. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dann in Ergebnisberichte einfließen, die den Fachbereichen und Instituten zur Verfügung gestellt werden. Schließlich sollen auch Handlungsempfehlungen für die Universitäts- und Dekanatsverwaltungen entwickelt werden.

Für Medienanfragen: Dr. Olaf Kaltenborn, Tel. (069) 798 – 130 35, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Für inhaltliche Fragen zur Studie: Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung, Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Tel. (069) 798 – 12341, schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de sowie Kirsten Iden und Michael Altmeyer, iden@pvw.uni-frankfurt.de und altmeyer@pvw.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 12 483