„Blickachsen 9“ – Kunst auf dem Campus

Skulpturen von vier international bekannten Künstlern bis 6. Oktober auf den beiden Campi Westend und Riedberg

Veröffentlicht am: Freitag, 24. Mai 2013, 12:04 Uhr (112)

FRANKFURT. Jaume Plensas Großskulptur „Body of Knowledge“ auf dem Campus Westend hat den Sommer über wieder Gesellschaft bekommen: Auf der Wiese vor dem IG-Farben-Haus und auf den Freiflächen zwischen IG-Farben-Haus und Casino sind bis zum 6. Oktober markante Plastiken von vier international bekannten Künstlern zu sehen – auch der Katalane Jaume Plensa ist mit drei „Poets in Frankfurt“ dabei. Die Kunstwerke sind Teil der Ausstellung „Blickachsen 9“, die am 26. Mai (Sonntag) in Bad Homburg eröffnet wird. Gezeigt werden auf dem Campus Westend außerdem Skulpturen von Laura Ford, Peter Randall-Page und Sui Jianguo, die für ihre jeweils unverwechselbare Formensprache bekannt sind. Auf dem Campus Riedberg sind vor dem Gebäude der Physik drei weitere Kunstwerke des britischen Bildhauers Peter Randall-Page zu sehen.

Mit insgesamt rund 90 Werken von Künstlern aus 15 Ländern dreier Kontinente präsentiert sich in diesem Jahr die neunte „Blickachsen“-Ausstellung. Seit 1997 zeigt die Bad Homburger  Biennale Skulpturen und Installationen zeitgenössischer Künstler aus der ganzen Welt in den historischen Parkanlagen der Stadt – und dank der Förderung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain an einer stetig zunehmenden Zahl weiterer Standorte in der Rhein-Main-Region. „Inzwischen gehört ‚Blickachsen‘ zu den großen periodischen Kunstereignissen des Landes“, so der Bad Homburger Galerist und Initiator der Ausstellung, Christian Scheffel. Die diesjährige Auswahl der Werke von 37 internationalen Künstlern und Künstlerinnen hat Scheffel zusammen mit Olivier Kaeppelin, dem Direktor der im französischen Saint-Paul-de-Vence ansässigen Fondation Marguerite et Aimé Maeght, getroffen.

Der Campus Westend mit seiner wunderbaren Parklandschaft ist für Scheffel ein idealer Ort, sich den Herausforderungen von Wissenschaft und zeitgenössischer Kunst gleichermaßen zu stellen. Und anregende und kontroverse Diskussionen über die Skulpturen werden bereits in den Social Media und auf dem Campus geführt. So vermuteten schon einige mit Blick auf den riesigen Container „Made in China“ vor dem IG-Farben-Haus, eine neue Bildungsoffensive mit Notebooks aus China sei für alle Studis pünktlich zur Eröffnung des neuen Gebäudes angelaufen.

Weit gefehlt – hier präsentiert sich Sui Jianguo (geb. 1956), einer der prominentesten Vertreter der ersten Generation zeitgenössischer chinesischer Künstler. Sein Container gehört zu einer Reihe von Werken, in denen er sich kritisch mit seinem Heimatland auseinandersetzt und  ambivalente Symbole für China schafft. Dass Sui Jianguo auch die figurative Kunst beherrscht, dokumentieren drei in Bronze gegossene Arbeiten aus der Reihe „Blind Portrait“, sie sind zwischen Casino und IG-Farben-Haus aufgestellt.

In lichter Höhe direkt vor dem Haupteingang des IG-Farben-Hauses präsentiert Jaume Plensa (geb. 1955) seine drei „Poets in Frankfurt“: Day-Night, Heaven-Hell-Poetry und Religion. Die sitzenden Figuren aus Polyesterharz und Fiberglas, die wie Säulenheilige jeweils auf einer Edelstahl-Stange thronen, können als beispielhaft für sein Werk gelten: In seiner Arbeit geht es Plensa vorrangig um „die Wechselwirkung von Geist und Stoff, nicht um bloße Form“. So setzt er häufig auch Text, Klang und Licht als Materialien ein. Durch das LED-Licht in ihrem Inneren schimmern seine „Poets“ tagsüber mattweiß, bei Dunkelheit jedoch leuchten sie in allen Regenbogenfarben changierend und entwickeln eine besondere Strahlkraft.

Sechs überlebensgroße Katzenwesen beleben die Grünfläche zwischen Casino und IG-Farben-Haus, sie bewegen sich in gebückter Haltung und mit gesenktem Blick langsam schreitend und wirken, als seien sie in ihren Gedanken völlig versunken und in ihren Gefühlen gefangen. Die „Emissary Cats“ aus Bronze sind geschaffen von der walisischen Künstlerin Laura Ford (geb. 1961). Diese Mischwesen aus schlanken menschlichen Körpern und großen Katzenköpfen haben nach Auskunft der Künstlerin ihren Ursprung in dem riesigen, dämonischen Kater namens Behemoth aus dem Roman „Der Meister und Margerita“ von Michail Bulgakov. Mit anarchischem Witz zeigt Laura Ford ihre „Abgesandten“ nachdenklich und fast rastlos getrieben.

Von den sechs tonnenschweren Steinskulpturen des britischen Künstlers Peter Randall-Page (geb. 1954) sind jeweils drei auf dem Campus Riedberg und dem Campus Westend zu sehen. Sie beeindrucken durch ihre Form und Oberflächenstruktur und sind Teil einer Werkreihe, in deren Mittelpunkt die Auseinandersetzung des Bildhauers mit natürlichen Wachstumsmustern und mit dem dynamischen Verhältnis zwischen geometrischer Ordnung und zufälliger Veränderung in der Natur steht.

Bei der Skulpturenausstellung „Blickachsen 9“ gibt es eine Neuerung: Im Frühjahr wurde die Stiftung Blickachsen gGmbH gegründet, die von nun an die Ausstellungen verantworten und gemeinsam mit dem Magistrat der Stadt Bad Homburg, der Kur- und Kongress-GmbH und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen veranstalten wird. Dazu der Initiator Christian Scheffel: „Die Stiftung wurde mit dem langfristigen Ziel gegründet, durch einen stetigen Ausbau der ‚Blickachsen‘ im öffentlichen und öffentlich zugänglichen Raum, jungen gemeinsam mit arrivierten Künstlern aus der ganzen Welt eine Plattform zu bieten und dadurch sowohl den künstlerischen Nachwuchs zu fördern als auch das allgemeine Interesse und Verständnis für die verschiedensten Positionen der dreidimensionalen Kunst und deren Wertschätzung weiterhin zu steigern.“

Öffentliche Führungen auf dem Campus Westend sind jeweils am ersten und dritten Dienstag im Monat zwischen 18.30 und 20 Uhr, Treffpunkt: Haupteingang IG-Farben-Haus; Führungen für Gruppen anmelden unter Tel. 06172-28907, fuehrungen@blickachsen.de

Informationen: Sunita Scheffel, Blickachsen Kommunikation und Presse, mobil 0178-47 32 591, presse@blickachsen.de, www.blickachsen.de, Pressefotos unter: http://www.blickachsen.de/root/index.php?page_id=341