„Tausend Hügel“ – Flämischer Autor über den Genozid in Ruanda

Koen Peeters liest aus seinem Roman: Ein poetisches Mosaik – geprägt von der Liebe zum Land und dem Verdruss über das Schicksal seiner Bewohner

Veröffentlicht am: Mittwoch, 08. Mai 2013, 16:04 Uhr (099)

FRANKFURT. Der flämische Autor Koen Peeters liest am Mittwoch (15.5.) um 20.30 Uhr aus seinem einen poetischen Roman „Duizend heuvels“ (deutsch: „Tausend Hügel“) über den Genozid von 1994 in der belgischen und davor deutschen Kolonie Ruanda. Die öffentliche Lesung auf Niederländisch findet im Casino (Raum 1.812) auf dem Campus Westend statt, eine englische Übersetzung liegt für die Zuhörer bereit. Die Veranstaltung wird organisiert vom Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität.

Der 54-jährige, flämische Autor und Anthropologe Koen Peeters hatte bereits zehn Romane veröffentlicht, bevor ihm mit „Duizend heuvels“ etwas Außerordentliches gelang: Statt einer Ansammlung von Gräueltaten hat Peeters ein poetisches Mosaik aus verschiedenen literarischen Gattungen zusammengestellt, das die Liebe des Autors für das Land der „Tausend Hügel“ und sein Verdruss über das Schicksal seiner Bewohner zeigt. „Jeder Mensch sollte ein Land adoptieren“, sagt er in einem Interview. Er hat Ruanda adoptiert. Die Leser erfahren einiges über das Handwerk in dem Land und viel über die schwierige Sprache (das Kiniyarwanda), ihre vielen Redewendungen, den Aufbau des Königshauses, bevor die Europäer kamen und die Bevölkerung in Hutu und Tutsi einteilten. Historische Persönlichkeiten wie Alexis Kagame (1912-1981), ein einheimischer Priester, Ethnologe und Linguist oder der belgische Anthropologe und Architekt, Lode van Pee, der das Nationalmuseum in Butare gebaut hat, tauchen auf neben erfundenen Personen wie der kleine Junge Louis, der im Traum Kinyarwanda lernt.

Erst nachdem der Leser tiefe Einblicke in Land und Leute erhalten hat, wird er nach und nach mit dem Genozid oder 800.000 Toten innerhalb von 100 Tagen konfrontiert. Behutsam, damit die Geschichte nicht zu schwer wird, switcht Peeters dauernd zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, Ruanda und dem Brüssel der ruandischen Taxifahrer im Exil, und er wechselt ab mit Auszügen aus den vielen Interviews, die er mit Augenzeugen geführt hat und die am Ende des Buches aufgelistet sind. Die Vorgehensweise erinnert ein wenig an David Van Reybroucks monumentale Geschichte Kongos. Aber Peeters‘ „Tausend Hügel“ ist die kleinere, poetische Variante von Van Reybroucks Geschichtsepos, dafür aber nicht weniger aufschlussreich oder lesenswert.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html