Jüdisch-christliche Literaturkontakte vom Mittelalter bis in die Gegenwart

5. Frankfurter Goethe-Vorlesungen für Bürger, Wissenschaftler und Studierende

Veröffentlicht am: Freitag, 12. April 2013, 16:33 Uhr (073)

FRANKFURT. Im Sommersemester starten die 5. Frankfurter Goethe-Vorlesungen zum Thema „Jüdisch-christliche Literaturkontakte vom Mittelalter bis in die Gegenwart“. Wie sich der Kontakt zwischen Juden und Christen in Frankfurt und allgemein in Deutschland in literarischen Zeugnissen produktiv niederschlägt, wird in der Goethe-Ringvorlesung thematisiert. Im Fokus stehen die Rezeption, die Adaptation und der Transfer literarischer Werke jüdischer Autoren im christlichen Kontext und umgekehrt. Ziel ist es, das kreative Potenzial der jüdisch-christlichen Literaturkontakte vom Mittelalter bis in die Gegenwart aufzuzeigen und damit verbundene Probleme zu reflektieren.

Das Zusammenleben von Juden und Christen hat in Frankfurt eine lange Tradition – auch darauf wird in der Vorlesungsreihe eingegangen. Seit dem Mittelalter war die Frankfurter jüdische Gemeinde eine der bedeutendsten im deutschen Sprach- und Kulturraum; heute ist sie nach Berlin, München und Düsseldorf wieder die viertgrößte jüdische Gemeinde in der Bundesrepublik. Wichtige kulturelle Institutionen in Frankfurt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder auch die Goethe-Universität gehen auf jüdische Stiftungen zurück.

Die Veranstalterinnen dieser Reihe sind Privatdozentin Dr. Regina Toepfer vom Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik und Junior-Professorin Dr. Rebekka Voß vom Seminar für Judaistik der Goethe-Universität. Die öffentlichen Vorlesungen, die auch im Rahmen der Bürger-Uni stattfinden und zu denen alle Interessierten eingeladen sind, beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr im Raum IG 411, IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität; der Eintritt ist frei.

Das Programm im Detail:

18. April
Prof. Dr. Martin Przybilski (Universität Trier)
Fuchsfabeln – ein Kapitel literarischen Kulturtransfers zwischen Juden und Christen im europäischen Mittelalter

25. April
Dr. Astrid Lembke (Humboldt-Universität zu Berlin)
Aventiuren in Aschkenas. Jüdische Adaptation höfischer Stoffe im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

2. Mai
Prof. Dr. Winfried Frey (Goethe-Universität Frankfurt)
Die Gottlosen. Antijüdische Tradition und innerchristlicher Wortkampf in der Zeit der Glaubensspaltung

16. Mai
Prof. Dr. Roland Gruschka (Hochschule für jüdische Studien Heidelberg)
Westjiddisch – Die frühere Sprache der Juden in Deutschland

23. Mai
Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp (Universität zu Köln)
Sefer nahar me-Eden. Die jüdische Kinderliteratur während der Haskala

6. Juni
Prof. Dr. Anat Feinberg (Hochschule für jüdische Studien Heidelberg)
Vergessene Worte. Zum Wandel der (Literatur-) Sprache im heutigen Israel

13. Juni
Dr. Andrea Schatz (King’s College London)
Tausendundeine Nacht auf Jiddisch. Jüdische Interpretationen des „Orient“

20. Juni
Prof. Dr. Ulrich Wyss (Goethe-Universität Frankfurt)
Rudolf Borchardt und das Problem des Judentums

27. Juni
Monique Behr, Jesko Bender (Goethe-Universität Frankfurt)
Emil Behr. Briefzeugenschaft vor – aus – nach Auschwitz (1938-59)

4. Juli
Dr. Tamar Lewinsky (Universität Basel)
Nicht für den deutschen Leser. Jiddische Literatur im Nachkriegsdeutschland

11. Juli
Prof. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt)
Banalität des Bösen? Die Geschichts- und Erinnerungsdebatten anlässlich von Hannah Arendts Eichmann in Jerusalem

18. Juli
Stefanie Zweig (Frankfurt)
Nirgendwo war Heimat – Lebenserinnerungen 

Informationen: Ninja Roth, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Campus Westend, (069) 798-32688, Roth@lingua.uni-frankfurt.de Tel.: (069) 798 32851, www.buerger.uni-frankfurt.de