Wie kann Privatheit in der Online-Kommunikation geschützt werden?

Google Research Award für gemeinsames Forschungsprojekt der Goethe-Universität und der TU Darmstadt zu einem Kernthema netzmedialer Veränderungen

Veröffentlicht am: Montag, 11. März 2013, 14:30 Uhr (058)

FRANKFURT.  Das Forschungsprojekt „Studying Interactional Privacy in OSNs With an In-Situ-Approach", das in Kooperation von Mitarbeitern der Technischen Universität Darmstadt und der Goethe-Universität durchgeführt wird, erhält einen Google Research Award von 102.000 US-Dollar. Die Darmstädter Informatiker und Frankfurter Medienforscher arbeiten an  einem neuen Verfahren, mit dessen Hilfe sich nutzerfreundliche Privatsphären-Werkzeuge in Sozialen Online-Netzwerken entwickeln lassen. Die Projektanteile werden von dem Informatiker Prof. Dr. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie und Direktor des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit EC SPRIDE, und dem Medienforscher Prof. Dr. Manfred Faßler, Direktor des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Goethe-Universität und Koordinator des Internationalen Forschungsnetzwerks Anthropologie des Medialen / FAMe-Frankfurt, vertreten.

Mit diesem Award, der zu 2/3 an die GU-Frankfurt und 1/3 an die TU-Darmstadt geht, wird es am Institut KAEE möglich, sich einem Kernthema der gegenwärtigen netzmedialen Veränderungen mit einer Forschungsstelle intensiver zu widmen. Es geht dabei um Aufbau und Schutz von Privatheit unter den Bedingungen von Online-Kommunikation. Mit jedem Click, über den Menschen anderen Menschen in Online-Social-Networks etwas mitteilen, geben sie Details von sich preis. Selten ist dabei alles für alle gedacht. Wie kann die Realisierung dieses sensiblen Kommunikationsstatus privater Information gelingen? Wie lässt sich diese hoch entwickelte soziale, kulturelle und rechtliche Form in dynamischen, interaktiven Systemen schützen? Die Arbeitshypothese ist, dass dies nur gelingen wird in einer komplexen Anpassung, also Umgestaltung der Elemente, die bislang Privatheit stützten und schützten.

Privatheit erhalten, indem sie verändert wird? Erforscht werden müssen die sozialen Regeln, die in die Rahmenbedingungen von Social Software eingeschrieben sind. Dies aber wird nicht genügen. Im Zentrum der Forschung stehen zunehmend intelligente Interaktionsformate, von Menschen geschickt genutzte ‚versteckte Interaktionschancen‘, sowie Verabredungen über zu entwickelnde Schutzmöglichkeiten für Privatheit in den Programmen sozialer Plattformen. Die Nachricht der IT-Netzwerke lautet: Privatheit muss genutzt werden, um sie schützen zu können.

Zum Hintergrund: Google vergibt zweimal im Jahr etwa 100 Google Faculty Awards, um vielversprechende Forschungsprojekte im Bereich der Informatik zu fördern. Für die aktuelle Vergaberunde gab es 600 Einreichungen aus 46 Ländern, 102 davon waren erfolgreich. Die Goethe-Universität und die Technische Universität Darmstadt waren in dieser Runde die einzigen deutschen Universitäten, die einen Award für Forschungsprojekte im  Bereich IT-Sicherheit und Privatsphäre erhielten.

Weitere Informationen:  Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt. Prof. Dr. Manfred Faßler: Tel. (069) 798 32910, fasslermanfred@aol.com
Dr. Petra Ilyes: (069) 798-32914; Ilyes@em.uni-frankfurt.de