Gestörtes Vertrauen nach traumatischem Erlebnis

Goethe-Universität sucht Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung

Veröffentlicht am: Donnerstag, 07. Februar 2013, 16:36 Uhr (035)

FRANKFURT. Nach einem traumatischen Erlebnis berichten Menschen manchmal von Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen. An der Universität Frankfurt wollen Psychologen jetzt herausfinden, ob dies Folge oder Ursache ihrer Erkrankung ist. Die Studie könnte dazu beitragen, die biologischen Risikofaktoren für die Entstehung einer  Posttraumatischen Belastungsstörung  besser zu verstehen und langfristig helfen, die Psychotherapie und medikamentöse Therapie besser an die individuellen Bedürfnisse von Patienten anzupassen. Für die bereits angelaufene Studie sucht das Wissenschaftlerteam noch erwachsene Studienteilnehmer mit Posttraumatischer Belastungsstörung, die bei der Studie sogar Geld verdienen können.

Eine Posttraumatischen Belastungsstörung kann nach einem traumatischen Ereignis eintreten, bei dem man starke Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen verspürt hat. Anschließend tauchen immer wieder Bilder oder Gedanken an das Erlebnis auf oder man vermeidet Reize und Situationen, die daran erinnern könnten. Weitere Merkmale sind Durchschlafprobleme, Konzentrationsstörungen oder Wutausbrüche, die vorher nicht bestanden. Um von einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu sprechen, sollten die Symptome mindestens seit einem Monat bestehen.

Ob sich Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung in Vertrauenssituationen tatsächlich anders verhalten, möchten die Psychologen der Abteilung für Allgemeine Psychologie und der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe Universität herausfinden, indem sie das „Bindungshormon“ Oxytocin untersuchen. Es hat eine stress- und angstmindernde Wirkung und fördert das Vertrauen zwischen Menschen. Da sich Menschen genetisch darin unterscheiden, wie viel Oxytocin in ihrem Körper verfügbar ist und wie dieses verarbeitet wird, könnte dies abweichendes Verhalten erklären. Auch die genetische Ausprägung des Oxytocinrezeptors könnte dabei eine Rolle spielen. 

Im Rahmen der Studie werden die Teilnehmer gebeten, einen finanziellen „Tauschhandel“ mit einer weiteren Person einzugehen, die ihnen jedoch unbekannt ist und bleibt. Durch diesen Tauschhandel kann in Abhängigkeit von den Entscheidungen der beiden Tauschpartner echtes Geld verdient werden. Im Anschluss daran sind kurze Fragebögen auszufüllen. Am Ende wird eine Speichelprobe abgenommen, um die genetische Variante des  Rezeptors für das Hormon Oxytocin zu bestimmen. Zusätzlich zu dem Geld, das im Tauschhandel erspielt wird, bekommt jeder Teilnehmer am Ende der Studie in jedem Fall eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 12 Euro bar ausgezahlt.

Informationen: Christine Anderl, Abteilung für Allgemeine Psychologie I, Campus Bockenheim, Tel. 0176-95 511511, studie-tauschhandel@stud.uni-frankfurt.de