Louis Paul Boon und seine radikalen Impulse für einen neuen Roman

Niederländischer Literaturwissenschaftler stellt den Autor und seinen endlich auf Deutsch erschienenen Roman „Mein kleiner Krieg“ vor

Veröffentlicht am: Montag, 26. November 2012, 13:02 Uhr (284)

FRANKFURT. Louis Paul Boon, einer der experimentierfreudigsten niederländischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, gab radikale Impulse zur Erneuerung des Romans. Sein scheinbar nichtliterarischer Stil, sein brutaler Realismus und seine bedingungslose Gesellschaftskritik sorgten für eine Schockwelle, die bis heute in der niederländischen Literatur – aber nicht nur dort – wahrgenommen wird. Am Donnerstag (29. November) um 19 Uhr hält Dr. Jan Lensen, Literaturwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, einen öffentlichen Vortrag in Niederländisch über Louis Paul Boon. Diese Veranstaltung findet auf Initiative des Lektorats Niederländisch des Fachbereichs Neuere Philologien auf dem Campus Westend, Casino, Raum 1.802 (1. Stock) statt, der Eintritt ist frei. Eine deutsche Zusammenfassung des Vortrags liegt aus.

„Man soll die Leute treten, bis sie ein Gewissen haben“ – dieses Zitat von Louis Paul Boon stellt Jensen an den Anfang seines Vortrags über „Louis Paul Boon als radikaler Literaturerneuerer“. Vor hundert Jahren, am 15. März 1912, wurde Louis Paul Boon in der ostflämischen Arbeiterstadt Aalst geboren. Nichts ließ damals erahnen, dass er einer der wichtigsten Schriftsteller der niederländischen Literaturgeschichte werden sollte. Sein bildungsferner Hintergrund und das Arbeitermilieu, in dem er aufwuchs, schienen keine geeigneten Voraussetzungen für eine literarische Karriere zu sein. Aber gerade dieser Hintergrund stellte sich als idealer Nährboden für seine radikale Art des Schreibens dar.

Anlässlich der Übersetzung von Boons berüchtigtem Kriegsbuch „Mijn kleine oorlog“ (1947) (Mein kleiner Krieg, Alexander Verlag, Berlin, 2012) wird Jan Lensen sich mit der Frage beschäftigen, warum Boons Oeuvre generell, aber insbesondere dieses Buch, so ungewöhnlich und so erneuernd sind, und weshalb viele es heute immer wieder lesen oder noch mal lesen sollten. Der Belgier Jan Lensen hat an der Katholischen Universität Leuven promoviert und arbeitet nun am Institut für Niederländische Philologie der FU Berlin an seiner Habilitation.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de

www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html