Archivzentrum der Universitätsbibliothek erhält den Nachlass von Alfred Schmidt

Einer der letzten Vertreter der Frankfurter Schule kommt nun in das Archiv

Veröffentlicht am: Dienstag, 20. November 2012, 12:18 Uhr (273)

FRANKFURT. Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg in Frankfurt am Main hat den Nachlass des am 28. August diesen Jahres verstorbenen Alfred Schmidt (1931-2012) erhalten. Die langjährige Lebensgefährtin Ingeborg Strauss übergab dem Archivzentrum auf der Basis eines bereits 2011 unterzeichneten Archivvertrages zahlreiche Korrespondenzen, Manuskripte und die umfangreiche Privatbibliothek.

Im vergangenen Oktober und November wurden über 600 Umzugskisten aus der Privatwohnung im Frankfurter Westend und dem Dienstzimmer an der Goethe-Universität in das Archivzentrum gebracht. Darin befanden sich rund 8.000 Bücher sowie ca. 100.000 Seiten wertvoller Archivalien und  elektronische Unterlagen von drei überlieferten Rechnern aus seinem universitären Dienstzimmer. Trotz der drückenden Raumnot der Universitätsbibliothek gelang es, die mit 260 laufenden Metern umfangreiche Privatbibliothek im Magazin der Universitätsbibliothek in seiner Gesamtheit und in der von Alfred Schmidt selbst angelegten Ordnung aufzustellen. Ein noch zu Lebzeiten Alfred Schmidts unterzeichneter Übereignungsvertrag regelt die rechtliche Seite mit der Goethe-Universität.

In ihrer Bedeutung sind die übernommenen Archivalien von großem Wert für die Geschichte der Goethe-Universität und der Stadt Frankfurt. Der größte Teil der hinterlassenen Schriften sind handschriftlich verfasst. Neben den wichtigen philosophischen und soziologischen Manuskripten, wie die zu den berühmten Donnerstagsvorlesungen, sind auch zahlreiche private Unterlagen, wie seine Urlaubsfotos auf den Kanarischen Inseln oder ein handschriftliches Entschuldigungsschreiben der Mutter für die Schule wegen einer aufgekommenen Stirnhöhlenentzündung, erhalten. Für das Archivzentrum ist diese Erwerbung vielleicht noch mit der Übernahme des Nachlasses von Ludwig von Friedeburg im Jahre 2010 zu vergleichen. Das Archivzentrum rechnet damit, dass der Nachlass von Alfred Schmidt in den nächsten zwei bis drei Jahren der breiten wissenschaftlichen Benutzung zugänglich gemacht werden kann.

Alfred Schmidt war von 1972 bis 1999 Professor für Philosophie und Soziologie an der Goethe-Universität und einer der führenden Köpfe der Frankfurter Schule. Noch bis kurz vor seinem Tod lehrte Alfred Schmidt an der Goethe-Universität. Seine  Hauptforschungsgebiete waren die Kritische Theorie, Geschichte des Materialismus, Religionsphilosophie, Freimaurerforschung, Ludwig Feuerbach und Schopenhauer. Ferner wurde er als Übersetzer englischer und französischer Schriften tätig. Im Jahre 1989 wurde ihm die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main und 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Die Nachlässe der Frankfurter Schule und weitere Archivbestände können im Archivzentrum montags bis freitags jeweils von 9:30 - 16:30 Uhr nach Voranmeldung und im Rahmen der Benutzungsordnung eingehend untersucht werden.

Am 11. Dezember 2012 erinnert die Tagung: „Alfred Schmidts Idee eines Kritischen Materialismus. Zwischen ‚enormen Bewußtsein‘ und ‚verständiger Resignation‘“ im Vereinsgebäude DENKBAR in der Spohrstraße 46a an den großen Frankfurter Philosophen.

Weitere Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstrasse 134-138, 60325 Frankfurt am Main. Tel. (069)798-39007, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de