Wie und wo wirken pflanzliche Arzneimittel?

Neuberufener Prof. Robert Fürst forscht zu rationaler Phytotherapie

Veröffentlicht am: Freitag, 16. November 2012, 12:54 Uhr (269)

FRANKFURT. Weißdorn stärkt das Herz, Baldrian und Melisse beruhigen die Nerven. Doch was genau sind die wirksamen Prinzipien in einem Naturstoff-Gemisch mit tausenden von Substanzen? Und an welchen Zielstrukturen des Körpers greifen sie an? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Robert Fürst, der am 1. November die Nachfolge von Prof. Theo Dingermann am Institut für Pharmazeutische Biologie angetreten hat. Dingermann bleibt der Universität noch zwei Semester erhalten.

Einer von drei Forschungsschwerpunkten Fürsts ist die rationale Phytotherapie, also die Verwendung pflanzlicher Arzneimittel, die nach Maßstäben der Schulmedizin eingesetzt werden. Fürst untersucht diese Vielstoffgemische auf ihre molekularen Mechanismen und wirksamen Komponenten hin. Das erläutert er am Beispiel des Weißdorns: Aus Studien weiß man, dass die Pflanze die Herzleistung bei milden Formen der Herzinsuffizienz verbessert. „Ich wollte wissen, wo der Wirkstoff, abgesehen vom Herzen, sonst noch angreift und hatte den Verdacht, dass er auch direkt auf die Endothelzellen wirkt, die die Gefäße auskleiden“, erklärt Fürst. Oft sind mit der Herzinsuffizienz auch entzündliche Prozesse der Gefäße verbunden. Dies trägt dazu bei, dass sie undicht werden und Flüssigkeit an das Gewebe verlieren. Diese Ödembildung kann durch Weißdorn verhindert werden, da der Extrakt direkt in Regelkreise der Endothelzellen eingreifen kann, wie Fürst herausgefunden hat.

„Die Berufung unseres Wunschkandidaten Fürst auf die Leuchtturmprofessur von Theo Dingermann war uns dank der großzügigen Unterstützung der Karlsruher Firma Dr. Willmar Schwabe, einem Produzenten pflanzlicher Arzneimittel, möglich. Wir sehen das als einen ganz besonderen Beitrag zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität im Jahr 2014“, freut sich Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz. Er wertet die Zuwendung als Anerkennung der Pharmazeutischen Biologie in Frankfurt und der Arbeit seines Kollegen Theo Dingermann. Dieser ist für sein Engagement in der Lehre (als Autor zahlreicher Lehrbücher und Professor des Jahres) sowie seiner Gremienarbeit, etwa als Biotechnologiebeauftragter des Landes Hessen, deutschlandweit bekannt.

„Die Pharmazie strahlt in Frankfurt etwas sehr Dynamisches aus. Das hat mich sofort angezogen“, so der erste Eindruck von Robert Fürst. Seine jetzigen Kollegen sind ein gut eingespieltes Team. Deshalb fiel ihm es auch nicht schwer, von München an den Main zu ziehen. Der Forscher, der mit nur 37 Jahren auf eine volle Professur berufen worden ist, hatte ursprünglich keine wissenschaftliche Karriere geplant. Nach einem Vordiplom in Physik wechselte er in die Pharmazie, weil er ein Studium mit möglichst breiter naturwissenschaftlicher Bildung bevorzugte. Nach dem 2. Staatsexamen absolvierte er seine Zeit als Pharmaziepraktikant zunächst in der Apotheke, wechselte dann aber zu Prof. Angelika Vollmar am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München – und blieb, weil ihm die Forschung so gut gefiel, bis zur Habilitation.

Informationen: Prof. Robert Fürst, Institut für Pharmazeutische Biologie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29650; fuerst@em.uni-frankfurt.de.