Banken- und Finanzkrise gefährdet Vertrauen in Marktwirtschaft

Auftakt der Bürger-Universitäts-Hauptreihe „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte“ mit großer Resonanz. Lebendige Diskussion mit OB Feldmann und Experten in der Oper Frankfurt.

Veröffentlicht am: Dienstag, 13. November 2012, 17:22 Uhr (260)

FRANKFURT. Ein Veranstaltungsort, der vor dem markanten Eurozeichen am Willy-Brandt-Platz und der Kulisse riesiger Bankentürme kaum hätte besser gewählt werden können. „Es ist unser Anliegen, mit der Bürger-Universität in der Stadt präsent zu sein“, betonte auch Uni-Vizepräsident Prof. Matthias Lutz-Bachmann in seiner Begrüßung. Unter dem Titel „Am Scheideweg. Krise des Kapitalismus – Krise der Demokratie?“ diskutierten Politik, Wissenschaft und Medien mit Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern über die gegenwärtige Finanz- und Staatschuldenkrise. Moderiert wurde der Abend von FAZ-Redakteur Manfred Köhler. Über 500 interessierte Zuhörer bescherten der Oper Frankfurt ein volles Haus.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte in seinem einleitenden Statement die Bedeutung des Themas für die Stadt Frankfurt: „In keiner anderen deutschen Stadt ist die Diskussion so präsent.“ Alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligten sich mittlerweile an der notwendigen Diskussion, auch Banker. Feldmann kritisierte das Gebaren vieler Akteure auf dem Finanzmarkt, das zu einem massiven Verlust an Vertrauen geführt habe; er betonte aber zugleich, dass ein ausreichender Geld- und Kapitalfluss Voraussetzung sei für eine funktionierende Marktwirtschaft.

FAZ-Redakteur Andreas Platthaus verglich in seiner Einführung das Finanzkrise des Jahres 2008 mit der von 1931. Damals wie heute hätten Staaten als letzte Instanz einschreiten müssen, um das wirtschaftliche Gefüge wieder zu stabilisieren. In den 30er Jahren seien es allerdings kriminelle Machenschaften gewesen, 2008 hätten neuartige Finanzinstrumente die Krise herbeigeführt. Die Finanzkrise, so Platthaus‘ Kritik, werde heute als Schuldenkrise der Staaten wahrgenommen, obwohl Staaten wie Spanien vor der Finanzkrise geringer verschuldet waren als beispielsweise Deutschland.

Hat die Finanzkrise ihre Wirkung in den Wissenschaften gehabt, fragte Moderator Köhler den Wirtschaftswissenschafter Reinhard Schmidt (Goethe-Universität). „Die Diskussion hat ganz gewiss stärker die Frage in den Fokus gerückt, wie Finanzsysteme gestaltet sein sollten. Da das mein Forschungsthema ist, bin ich gewissermaßen ein Krisengewinnler“, erläuterte Schmidt augenzwinkernd.

Ist die Gier der Banker der Hauptgrund für den Ausbruch der Krise? „Diese moralisierende Erklärung überzeugt mich nicht. Es geht um das System. Banker sind nicht zuletzt auch Getriebene von ihren Kunden, die auf der Suche nach höheren Profiten sind“, unterstrich  der Soziologe Christoph Deutschmann.

Erik Buhn, Frankfurter Occupy-Aktivist, betonte dagegen, dass die Finanz- und Staatschuldenkrise nicht automatisch zu einer Krise des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen müsse. Länder wie Island hätten auf die hohe Verschuldung von Staat und Banken nicht mit einem radikalen Sozialabbau, sondern mit einem hohen Maß an Solidarität reagiert.

In der sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde von vielen Beiträgern der Zusammenhang von Finanzkrise und Krise der Demokratie in den Fokus gerückt. Viele wünschten sich ein dauerhaftes Forum der Frankfurter Stadtgesellschaft, um bürgernah zentrale Fragen der Finanz- und Staatsschuldenkrise zu diskutieren.

Der nächste Termin der Diskussionsreihe „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte“ ist am 26. November. Thema des Abends wird dann sein: „Ohnmächtige Demokratie – autistische Ökonomie. Wer kontrolliert Finanzsystem und Ratingagenturen?“.

ACHTUNG: Neuer Veranstaltungsort: Campus Bockenheim, Hörsaalzentrum, Raum V!

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Universität zum Download: http://www.buerger.uni-frankfurt.de/39805965/programm_BuergerUni_WS_12-13.pdf

Weitere Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-23935, Fax: (069) 798-28530, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de