Zum „Eigensinn“ der Himmelsscheibe von Nebra

Prof. Meller spricht im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ über eine bedeutende Entdeckung

Veröffentlicht am: Freitag, 02. November 2012, 15:00 Uhr (249)

FRANKFURT. Die Himmelsscheibe von Nebra, die als weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung gilt, zählt zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen des vergangenen Jahrhunderts. Sie ist Teil eines Hortfundes, der um 1600 v. Chr. auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt niedergelegt worden war. In der öffentlichen Vortragsreihe „Vom Eigensinn der Dinge“, die im Wintersemester im Rahmen der Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, spricht am Donnerstag (8. November um 18.15 Uhr) Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, über seine neusten Forschung zu diesem einmaligen Fund.

Das Thema seines öffentlichen Vortrags im Hörsaalzentrum, Campus Westend (HZ 5) lautet: „Zwischen Logos und Mythos. Zum ‚Eigensinn‘ der Himmelsscheibe von Nebra“. Moderieren wird diese Veranstaltung der Archäologe Prof. Dr. Jan-Waalke Meyer. Auch er ist Mitglied des Frankfurter Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“. Ethnologen und Archäologen aus diesem Kolleg, das eine international zusammengesetzte Gruppe von 20 Doktoranden betreut, haben die Vortragsreihe konzipiert und organisiert.

Meller hat sich um die Sicherstellung und die Erforschung der Himmelsscheibe verdient gemacht. Die Bronzeplatte, die mit Applikationen aus Gold versehen ist, stellt erstaunliche Phänomene aus der Astronomie und Symbole religiöser Themenkreise dar. In Frankfurt präsentiert Meller die neuesten im Rahmen interdisziplinären Forschungsprojektes gewonnenen Ergebnisse zu diesem spektakulären Objekt vor.

Die Himmelsscheibe, eine annähernd kreisrunde Platte im Durchmesser von etwa 32 Zentimetern, hat eine aufregende jüngere Geschichte hinter sich: Nachdem sie im Juli 1999 von mit Metalldetektoren arbeitenden Raubgräbern entdeckt worden war, wechselten sie und ihre Beifunde (Bronzeschwerter, zwei Beile, ein Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreife) über fast drei Jahre in der Kunsthändlerszene die Käufer, bis sie im Februar 2002 von den Schweizer Behörden sichergestellt werden konnten. Seit 2008 ist der Hortfund nun dauerhaft im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle ausgestellt.

Die Veranstaltungsreihe, die bis zum Februar läuft, geht den überraschenden Zusammenhängen nach, die sich aus dem „Eigensinn der Dinge“ ergeben. Die Vorträge zeigen, wie wenig die bislang vorgestellten Ordnungen der Dinge ausreichend sind, um die Welt des Materiellen zu verstehen. Der Eigensinn der Dinge wird dabei sowohl als Phänomen einzelner herausragender Objekte wie auch als Frage des Verstehens materieller Kultur insgesamt und damit nach der „conditio humana“ behandelt.

Informationen: Prof. Dr. Hans Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel, Institut für Archäologische Wissenschaften, Campus Westend, 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.value-and-equivalence.de