Ökonomische Kenntnisse von Lehrkräften auf dem Prüfstand

Frankfurter Wirtschaftspädagogen untersuchen wirtschaftliche Kompetenz von Lehrkräften und Lehramtsstudierenden / Ausbildung meist mangelhaft

Veröffentlicht am: Donnerstag, 18. Oktober 2012, 11:26 Uhr (233)

FRANKFURT. Wer die ökonomische Bildung von jungen Menschen verbessern möchte, muss ihre Lehrkräfte entsprechend ausbilden. Dieser Einsicht folgend startet die Abteilung Wirtschaftspädagogik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main ein auf drei Semester angelegtes Forschungsprojekt zur Förderung der ökonomischen Kompetenz von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen. Das Projekt wird von der Marga-Coing-Stiftung mit 10.000 Euro gefördert.

„Es gibt viele Studien, die belegen, dass Jugendliche nur sehr wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge wissen“, erklärt Prof. Dr. Eveline Wuttke, die das Projekt leitet. Zwar wurden die Lehrpläne an den allgemeinbildenden Schulen in den letzten Jahren angepasst. In Hessen gibt es etwa seit 2002 das Fach „Politik und Wirtschaft“, in dem ökonomische Grundkenntnisse vermittelt werden sollen. Doch in den Studienordnungen findet sich die wirtschaftliche Zielsetzung nur bedingt wieder. So müssen angehende „PoWi“-Lehrerinnen und Lehrer in Hessen hauptsächlich Module aus dem Bereich „soziologische und politikwissenschaftliche Grundlagen“ absolvieren, wirtschaftswissenschaftlich orientierte Veranstaltungen sind freiwillig. „Weder die aktuellen PoWi-Lehrkräfte noch die zukünftigen verfügen somit über systematisch erworbene ökonomische Kenntnisse“, sagt Wuttke. „Ihr Wissen in diesem Gebiet ist eher beliebig und entspringt im besten Falle persönlichen Interessen.“

Mit den Mitteln der Marga-Coing-Stiftung sollen nun drei aufeinander aufbauende Masterarbeiten ein Konzept zur Lehreraus- und -weiterbildung entwickeln. Auf der Grundlage von Lehrplananalysen und Interviews mit Lehrkräften wird zunächst analysiert, über welche wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse (angehende) Lehrkräfte verfügen sollten. Anschließend wird ein Trainings- und Evaluationskonzept entwickelt und an Studierenden getestet. Am Ende steht die kontrollierte Durchführung des Trainings mit Lehramtsstudierenden und Lehrkräften. Die dabei gewonnen Erfahrungen sowie die Ergebnisse der Erfolgsmessung sollen schließlich in Überlegungen einfließen, wie sich das Training im Rahmen der Studienordnung und der Lehrerweiterbildung  verstetigen ließe.

Informationen: Prof. Dr. Eveline Wuttke, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798 34690, wuttke@em.uni-frankfurt.de