Etwas tun gegen den Mangel an Fachkräften

Fachtagung mit 150 Experten aus Wissenschaft und Praxis – Anlass: 20 Jahre Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität

Veröffentlicht am: Mittwoch, 12. September 2012, 09:34 Uhr (194)

FRANKFURT. In Hessen fehlen schon heute 2.000 Fachkräfte in der Altenpflege. Wenn die Rahmenbedingungen gleich bleiben, wird sich bedingt durch die Zunahme älterer und pflegebedürftiger Menschen bis 2020 ein zusätzlicher Bedarf von 1.800 Altenpflegefachkräften ergeben. Fachkräftemangel zeigt sich längst auch in anderen Branchen wie der Logistik, aber auch bei Ingenieuren oder IT-Fachleuten. Immer schwerer sei es auch, offene Lehrstellen in bestimmten Berufen zu besetzen. „Die Situation wird sich in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels weiter zuspitzen. Jetzt sind Konzepte gefragt, bei denen die unterschiedlichen Akteure zusammenarbeiten“, so Prof. Dr. Robert Pütz, Direktor des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität. Zum 20-jährigen Bestehen des Instituts veranstalten die Wissenschaftler daher keine große Feier; vielmehr laden sie zu einer Fachtagung ein: 150 Experten aus Praxis und Wissenschaft diskutieren am 20. September (Donnerstag) gemeinsam über Strategien, wie auch in Zukunft gesichert werden kann, dass genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Für Gesprächsstoff ist gesorgt. Denn einen Tag zuvor wird Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Ergebnisse der im vergangenen Jahr eingerichteten Fachkräftekommission Hessen bekannt geben. In dieser Kommission brachten auch die Experten des IWAK ihr Knowhow ein. „Wir wollen dann gleich über Umsetzungsmöglichkeiten diskutieren – über sogenannte integrierte Fachkräftesicherungsstrategien nachdenken“, sagt die Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) Dr. Christa Larsen.

Die gezielte Entwicklung solcher integrierten Konzepte steht noch am Anfang. Die Fachtagung will die unterschiedlichen Fäden der aktuellen Diskussion aufnehmen und Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, dem Bildungsbereich und der Arbeitsvermittlung mit den Möglichkeiten gezielter Strategien zur Rekrutierung von Fachkräften vertraut machen. Dabei ist auch einmal wieder die besondere Expertise des IWAK gefragt.

So zeigt eine Auswertung des IAB-Betriebspanels für Hessen zum Beispiel, dass die meisten Betriebe in Hessen schon verschiedene Strategien zur Fachkräftesicherung kennen, davon bisher aber nur sehr wenige anwenden [http://www.iwak-frankfurt.de/documents/IAB-Panel_Hessen_2011_01_Fachkraefte.pdf]. Das IWAK begleitet auch die Entwicklung von Fachkräftesicherungsstrategien in allen 18 Gesundheitsfachberufen in Rheinland-Pfalz wissenschaftlich [http://www.iwak-frankfurt.de/documents/BadP_Gutachten.pdf].

Bei einem Markt der Möglichkeiten sollen auf der Fachtagung einzelne Lösungswege vorgestellt und mit den Experten aus dem Bereichen Arbeitsmarkt, Qualifizierung und Unternehmen, die aus der Wissenschaft oder der Praxis kommen, erörtert werden. „Von besonderem Interesse ist dabei herauszufinden, wie einzelne Lösungswege, die sich bereits in bestimmten Branchen, Berufen oder Regionen bewährt haben, auf andere Bereiche übertragen werden können“, so Prof. Alfons Schmid, stellvertretender Direktor des IWAK.

Die Fachtagung wird vom Hessischen Wirtschaftsminister Florian Rentsch eröffnet, der die Perspektiven der Fachkräftesicherung für Hessen aufzeigt. Jacqueline Kraege, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz, spricht über die Praxis der Fachkräftesicherung in den Gesundheitsfachberufen in Rheinland-Pfalz. Bertram Hörauf, Leiter der Abteilung Arbeit im Hessischen Sozialministerium, fokussiert in seinem Beitrag auf die Potenziale, die die Förderung von Benachteiligten für die Fachkräftesicherung bietet.

Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) ist ein wissenschaftliches Zentrum der Goethe-Universität. Es betreibt praxisorientierte Forschung und Beratung in den Bereichen regionale Arbeitsmärkte und Qualifizierung und sorgt so für mehr Transparenz und Vernetzung in diesen Feldern. Dabei untersuchen die Wissenschaftler des Instituts nicht nur regionale und lokale Arbeitsmärkte in Hessen und Rheinland-Pfalz; sie arbeiten auch deutschlandweit und in verschiedenen europäischen Regionen. Das Frankfurter Institut bringt sich mit seiner Expertise seit 2010 auch verstärkt in europäischen Organisationen ein. Als Sprecher der 400 Mitglieder des European Network on Regional Labour Market Monitoring steht es im Austausch mit der europäischen Kommission und dem europäischen Gewerkschaftsbund über die Anforderungen an die Entwicklung neuer und veränderter Qualifikationen heute und in Zukunft.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798- 22152. Mail: C.Larsen@em.uni-frankfurt.de . Das Tagungsprogramm im Internet: [www.iwak-frankfurt.de/documents/IWAK_Jubilaeumsveranstaltung.pdf

Möglichkeit zu Interviews während der Tagung (20. September) zwischen 13.30 und 14.00 Uhr im Raum 1.811, Casino-Gebäude, Campus Westend. Zur Verfügung stehen Prof. Dr. Robert Pütz – Direktor,  Prof. Dr. Alfons Schmid  – stellvertretender Direktor, Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink – Vorstandsmitglied und Dr. Christa Larsen – Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK).