Goethe-Universität erhält Zuschlag zu zwei neuen LOEWE-Projekten

Zentrum in Finanzwissenschaft und Schwerpunkt in Biowissenschaften werden vom Land gefördert. Beteiligung an weiteren zwei Projekten

Veröffentlicht am: Mittwoch, 04. Juli 2012, 16:21 Uhr (152)

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat beim landesweiten Wettbewerb LOEWE erneut Stärke gezeigt. Gleich vier Forschungsprojekte werden gefördert, davon zwei federführend und zwei in Kooperation mit weiteren universitären Partnern. „Nach der jüngsten Entscheidung zur Exzellenzinitiative ist das erneut ein großer Erfolg, der zeigt, wie gut die Goethe-Universität in ihrer fachlichen Breite aufgestellt ist“, erklärte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl.

Die Entscheidung über die fünfte Staffel des Forschungsförderprogramms LOEWE fiel am heutigen Mittwoch im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Insgesamt werden fünf Projekte mit rund 30 Millionen Euro gefördert. Demnach hat die Goethe-Universität den Zuschlag für das neue LOEWE-Zentrum ‚Sustainable Architecture for Finance in Europe‘ und den neuen LOEWE-Schwerpunkt ‚Integrative Pilzforschung‘ erhalten; zudem sind Forscher der Goethe-Universität an den beiden neuen Schwerpunkten ‚Elektronendynamik chiraler Systeme‘ sowie ‚Sensors Towards Terahertz‘ beteiligt, die jeweils von den Universitäten Kassel und TU Darmstadt geleitet werden. „Damit werden zentrale Felder unserer Forschung gestärkt. Ich gratuliere den Antragstellern für ihre gute Arbeit, insbesondere dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Krahnen zu diesem Coup!“, sagte Müller-Esterl.

LOEWE steht für Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz. Die Regierung in Wiesbaden startete sie 2008 mit dem Ziel, den Forschungsstandort Hessen zu stärken. LOEWE fördert besonders die enge Zusammenarbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und trägt so zur weiteren Schwerpunktsetzung und Profilierung der Hochschulen bei. Der Goethe-Universität gelang es in den vergangenen vier Förderrunden die meisten Mittel einzuwerben. Die Universität ist bereits an vier Zentren und zehn Schwerpunkten beteiligt und hat dadurch insgesamt ca. 138 Millionen Euro eingeworben.

Das neue LOEWE-Zentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“, kurz: SAFE, wird vom Land mit rund 13 Millionen für den Zeitraum von 2013-2015 gefördert. SAFE hat sich zum Ziel gesetzt, die Anforderungen an einen optimalen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte und ihre Akteure zu erforschen. Funktionsfähige Finanzmärkte sind für eine florierende Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand unerlässlich. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten ungeahnte Risiken für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat bergen. „Wir brauchen daher einen Rahmen, der so flexibel wie möglich ist, um Innovation und Wettbewerb zuzulassen, und gleichzeitig so rigide wie nötig, um Stabilität zu gewährleisten“, so Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies und wissenschaftlicher Koordinator des neuen LOEWE-Zentrums. Das neue LOEWE-Zentrum setzt auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von mehr als 35 Professorinnen und Professoren aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Mikro- und Makroökonomie, Finanzmathematik, Marketing und Recht. Neben der Graduiertenausbildung und einem internationalem Gastwissenschaftlerprogramm besteht ein bedeutendes Vorhaben des Zentrums in der Zusammenstellung einer umfangreichen Forschungsdatenbank. Darüber hinaus wird sich SAFE intensiv einer professionellen Politikberatung widmen.

 

Der neue LOEWE-Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung (IPF)“ wird sich der Innovation anwendungs- und grundlagenorientierter Forschung zur Nutzung der pilzlichen Vielfalt widmen. Die Landesförderung beträgt rund 4,5 Millionen Euro für den Zeitraum von 2013-2015. Pilze gehören zu den größtenteils unbekannten Lebewesen unseres Planeten. Sie sind artenreicher als Pflanzen, Fische und Säugetiere zusammen genommen. Schätzungen zufolge sind 90 Prozent ihrer Arten noch unentdeckt. Bedenkt man, dass einige Pilzarten eine große wirtschaftliche Bedeutung haben, etwa bei der Herstellung von Brot, Käse und Wein, aber auch von Antibiotika, erscheint es überaus lohnend, die Pilze gründlicher zu erforschen. „Wir haben dafür in Hessen sehr gute Bedingungen, da hier fast zwei Drittel der deutschen Pilzforscher arbeiten“, erklären Prof. Helge Bode und Prof. Marco Thines, Sprecher des Loewe-Schwerpunkts „Integrative Pilzforschung“. Das Besondere ist, dass Spezialisten für die Klassifizierung der Pilze (Biodiversitäts-Forscher) erstmals mit Biochemikern, Biotechnologen und Molekulargenetikern zusammen arbeiten. Damit erweitert sich das Wissen über die Pilzvielfalt in Hessen und ausgewählten tropischen Regionen. Zugleich kann die Entdeckung neuer nutzbarer Substanzen schneller in biotechnologische Prozesse umgesetzt werden.

Zudem ist die Goethe-Universität an folgenden zwei neuen Schwerpunkten beteiligt: „Elektronendynamik chiraler Systeme (ELCH)“ wird unter Leitung der Universität Kassel Fragestellungen zur Chiralität (Händigkeit) in der Elektronendynamik beantworten. Beim Schwerpunkt „Sensors Towards Terahertz – Neuartige Technologien für Life Sciences, Prozess- und Umweltmonitoring“ geht es um ein interdisziplinäres Forschungsprojektes für neue Sensortechnologie auf Grundlage der elektromagnetischen Wechselwirkung von Sensorstrukturen. Federführend ist die TU Darmstadt.

Weitere Informationen: Mareike Schmitt, Leitung der Stabsstelle für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-25194, schmitt@pvw.uni-frankfurt.de