Archivar der Lebensläufe

Frankfurter Bürger-Universität auf den Spuren von Alexander Kluge

Veröffentlicht am: Freitag, 01. Juni 2012, 15:14 Uhr (122)

FRANKFURT. Normalerweise ist es Alexander Kluge, der sich mit den Lebensläufen anderer Menschen auseinandersetzt. Im Rahmen der Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“ der Frankfurter Bürger-Universität steht nun am 4. Juni der Autor selbst im Mittelpunkt biographischer Betrachtungen von Wolfgang Schopf. Alexander Kluge, 1932 in Halberstadt geboren, setzt seit einem halben Jahrhundert mit dem Projekt „Lebensläufe“ Sonden zur literarischen Erkundung der deutschen Realität. Seiner Perspektive folgend zeigt sich jede Biografie als Mosaikstein zum Verständnis des historischen Raums. Wie trifft diese Beobachtung auch auf Kluges eigenen Lebensweg zu? Zum Auftakt der traditionsreichen Frankfurter Poetikvorlesung, die in diesem Jahr von Alexander Kluge gestaltet wird (ab dem 5. Juni), stellt der Vortrag die einzigartige künstlerische Methode Kluges vor. „Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich zugleich mit bewegten Bildern im Kino, im Fernsehen und im Netz arbeite. Das liegt daran, dass Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt.“

Mit Frankfurt verbindet Kluge, der hier nicht nur (wie auch in Marburg) studiert, sondern auch später lange Jahre hier gelebt hat, entscheidende Impulse für seine unterschiedlichsten Projekte. Neben Rechtswissenschaften, er promovierte 1956 über „Die Universitätsselbstverwaltung“, studierte Kluge auch Geschichte und Kirchenmusik. In seiner Frankfurter Zeit pflegte Kluge intensiven Kontakt zu Theodor W. Adorno und den übrigen Wissenschaftlern des Instituts für Sozialforschung; aus dieser Zeit rührt auch seine enge Freundschaft zu Jürgen Habermas.

Der Vortrag über Alexander Kluge ist Teil der Hauptreihe, die vom Frankfurter Soziologen Prof. Tilman Allert - speziell für die Frankfurter Bürgeruniversität - erdacht wurde. Vorgestellt werden bekannte Biografien aus unterschiedlichsten Bereichen die dabei exemplarisch Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte darstellen. Der Referent dieses Abends, Wolfgang Schopf, betreut literarische Sammlungen der Goethe-Universität. Gemeinsam mit Thomas Combrink gestaltet er die Begleitausstellung zu Alexander Kluges Poetik-Dozentur.

„Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“
Wolfgang Schopf über Alexander Kluge – Ein Archivar der Lebensläufe

am: Dienstag, 4. Juni 2012, um 19.30 Uhr,
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Weitere Vorträge:

  • 11. Juni 2012
    Dr. Ferdinand Zehentreiter
    Michael Gielen - Die Partitur als heiliger Text
  • 18. Juni 2012
    Prof. Tilman Allert
    Jil Sander – Die neue Sprache der Eleganz
  • 25. Juni 2012
    Dieter Bartetzko
    Herbert Grönemeyer – Bochum für alle

Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt frei / Anfahrt: www.stadtbuecherei.frankfurt.de

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de