Negative Bewertung von Symptomen schürt Angst vor Krankheiten

Untersuchung zur Hypochondrie – Psychologen suchen Betroffene für weitere Studie

Veröffentlicht am: Montag, 16. April 2012, 09:20 Uhr (083)

FRANKFURT. Sich gelegentlich um seine Gesundheit zu sorgen, lässt die Psychologen noch nicht aufhorchen. Bei manchen Menschen geht aber die Angst vor Krankheiten so weit, dass sie sich nahezu jeden Tag damit beschäftigen, ob sie ernsthaft erkrankt sind. Diese besonders ausgeprägte Form der Krankheitsangst bezeichnen die Wissenschaftler als Hypochondrie. Der Diplom-Psychologe Dr. Florian Weck und sein Team haben jetzt in der Fachzeitschrift „Psychosomatics“ Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der sie untersuchen, worin sich Menschen mit Krankheitsängsten von anderen Personen unterscheiden.

Wenn Personen mit Krankheitsängsten mit einer Symptombeschreibung wie „Klara hat seit den letzten zwei Wochen starke Kopfschmerzen, die nicht weggehen“ konfrontiert werden, halten sie eine ernsthafte Krankheit wie einen Hirntumor für wahrscheinlicher, als dies die unbelastete Vergleichsgruppe tut. Diese Ergebnisse sind zudem nicht durch eine allgemeine Ängstlichkeit der Teilnehmer erklärbar, da auch Probanden mit anderen Ängsten (z.B. sozialen Ängsten oder Ängsten vor Höhen) die Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Krankheit nicht so hoch einschätzen wie Personen mit Krankheitsängsten. Interessanterweise fanden sich keine Unterschiede, wenn die Probanden mit weniger gravierenden Einschätzungen konfrontiert wurden. Wurde den Teilnehmern der Studie beispielsweise eine Muskelzerrung als Ursache für ein Engegefühl in der Brust vorgeschlagen, hielten Personen mit ausgeprägten Krankheitsängsten und nicht vorbelastete Probanden diese Möglichkeit für ähnlich wahrscheinlich. Dies zeigt, dass Personen mit Krankheitsängsten nicht generell zu einer Fehlbewertung von Symptomen neigen, sondern nur, wenn es um schwerwiegende Krankheiten geht.

Wie sich bereits in anderen Untersuchungen zeigte, haben die meisten Hypochonder Angst vor gravierenden Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen oder Multiple Sklerose. Die Betroffenen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um ihre Ängste wieder los zu werden. Sie suchen beispielsweise im Internet nach Informationen, um eigene Beschwerden adäquat einschätzen zu können, oder gehen häufiger als andere zum Arzt. Diese Bemühungen führen jedoch in den meisten Fällen dazu, dass sich die Betroffenen noch mehr mit dem Thema Krankheit beschäftigen und Ängste langfristig zunehmen.

Die Frankfurter Forscher interessieren sich in ihrer weiteren Arbeit nun dafür, ob die negativen Bewertungen von Symptomen, wie sie Menschen mit Hypochondrie vornehmen, auch von Personen mit Panikstörung getroffen werden. Dieser Personenkreis leidet plötzlich unter unerwarteten Angstanfällen, die einhergehen mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Beklemmungsgefühlen oder Schweißausbrüchen. Häufig treten diese Attacken auch in spezifischen Situationen auf wie in Menschenmengen, in U-Bahnen oder Bussen. Da die Betroffenen in solchen Situationen auch häufig befürchten, dass eine gesundheitliche Gefahr für sie besteht oder sie gar sterben könnten, wäre es möglich, dass bei ihnen ganz ähnliche Bewertungen ablaufen wie bei Menschen mit ausgeprägten Krankheitsängsten. Dies soll jetzt untersucht werden. Deshalb suchen Weck und seine Mitarbeiterin Betroffene, die bereit wären, an einer wissenschaftlichen Untersuchung zu diesem Thema teilzunehmen. Personen, die unter Panikattacken oder ausgeprägten Krankheitsängsten leiden, können sich zur weiteren Information mit der Studienkoordinatorin, Diplom-Psychologin Julia Neng, in Verbindung setzen.

Informationen: Julia Neng und Dr. Florian Weck, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798 – 23994, neng@psych.uni-frankfurt.de, weck@psych.uni-frankfurt.de

Literaturangabe: Weck, Neng, Richtberg & Stangier (2012). Dysfunctional beliefs about symptoms and illness in patients with hypochondriasis. Psychosomatics, 53, 148-154; Zusammenfassung unter www.psychosomaticsjournal.com/article/S0033-3182%2811%2900357-4/abstract