„Neueste Zeitung“ online

Wichtige Quelle zur Frankfurter Stadtgeschichte der dreißiger und vierziger Jahre steht nun als Volltext zur Verfügung

Veröffentlicht am: Dienstag, 06. März 2012, 16:28 Uhr (056)

FRANKFURT. Die Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und die Frankfurter Societäts-Medien GmbH (FSM) haben in einem Kooperationsprojekt das einzig erhaltene Exemplar der Frankfurter „Neuesten Zeitung“ online zugänglich gemacht. Damit steht der Forschung ab sofort eine wichtige Quelle zur Frankfurter Stadtgeschichte der dreißiger und vierziger Jahre mit wenigen Ausnahmen komplett als Volltext zur Verfügung.

Sieben Jahrzehnte lang befanden sich die überlieferten Exemplare der „Neuesten Zeitung“ im Archiv der Frankfurter Societäts-Medien. Mit der Digitalisierung reagierte man auf die unmittelbare Gefährdung dieses für die Frankfurter Stadtgeschichte wichtigen Kulturguts. Gerade Zeitungen aus dieser Zeit sind aufgrund des hohen Anteils an Holzschliff im Papier von Zerfall, gleichbedeutend mit dem Totalverlust, bedroht. Im Jahre 2011 hat die FSM deshalb zusammen mit der Universitätsbibliothek diese wichtige historische Quelle mikroverfilmen und digitalisieren lassen. Die Universitätsbibliothek hat die Digitalisate technisch aufbereitet und auf ihrem Dokumentenserver bereitgestellt.

Die Frankfurter „Illustrierte Tageszeitung mit Versicherung“ (so der Untertitel) erschien in Frankfurt am Main vom 18. April 1931 bis zum 29. Oktober 1942. Jeder Leser hatte mit dem Abonnement der Zeitung automatisch eine Lebensversicherung abgeschlossen. Seit April 1934 erschienen sieben Ausgaben pro Woche, der Untertitel wurde verändert in „Illustrierte Tageszeitung mit Sonntagspost“. Viele Berichte sind mit Abbildungen illustriert. Herausgegeben wurde die „Neueste Zeitung“ als weitere Zeitung neben der überregional bedeutsamen „Frankfurter Zeitung“ von der 1856 von Leopold Sonnemann gegründeten Frankfurter Societäts-Druckerei, der heutigen Frankfurter Societäts-Medien GmbH. Chefredakteur der „Neuesten Zeitung“ war Wilhelm Hollbach, der die Zeitung auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 weiter führte. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Frankfurt im Frühjahr 1945 fungierte Hollbach für einige Wochen als Amtierender Bürgermeister der Stadt. Ein Urteil über seine Rolle als Chefredakteur im Nationalsozialismus gilt bis heute noch als wichtiges Desiderat der Forschung.

Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter Archivzentrum und Frankfurt-Abteilung, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-39007, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

 Die Digitalisate zur „Neuesten Zeitung“ sind abrufbar unter: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/frankfurt/periodical/titleinfo/3426502