Wer bin ich und wenn ja, im Netz?

Podiumsdiskussion zum „Digitalen Selbst“ am 16. Januar 2012 am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Veröffentlicht am: Mittwoch, 21. Dezember 2011, 00:00 Uhr ()

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Wir leben im Zeitalter des Internet, und wir leben auch schon im Internet. Zu unserer analogen Identität tritt immer mehr ein digitales Selbst. Einige finden das spannend, andere eher beunruhigend. Darüber diskutieren vier hochinteressante Persönlichkeiten, allesamt ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet: Constanze Kurz ist FAZ-Autorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Kathrin Passig gehört zu den Gründern der „Zentralen Intelligenz Agentur“ und „riesenmaschine.de“, Hartmut Rosa ist Soziologieprofessor in Jena und Autor des Buches „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, Spiros Simitis ist emeritierter Rechtsprofessor der Goethe-Universität und war lange Jahre hessischer Datenschutzbeauftragter. Alle zusammen bewegt und bewegen sie das

Thema: „Wer sind wir im digitalen Netz?“
am: Montag, dem 16. Januar 2012, um 19.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Die Moderation der Podiumsdiskussion liegt in den Händen von Klaus Günther, Frankfurter Rechtsprofessor und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten.

Soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und der kürzlich aufgedeckte „Staatstrojaner“ zeigen die Ambivalenz der digitalen Kommunikationstechnologie. Sie erweitert die Freiheitsspielräume jedes einzelnen, indem sie ihm ungleich mehr Möglichkeiten an sozialen Beziehungen über Zeiten und Räume hinweg bietet, als dies im Zeitalter des direkten Gesprächs unter Anwesenden, des Briefverkehrs und des Telefons noch denkbar war. Gleichzeitig ist das digitale Netz auch ein Medium, das nichts vergisst, das nicht nur jede verbale Äußerung, sondern auch jeden Tastendruck speichert. Die Vermehrung von Optionen geht einher mit privater und öffentlicher Beobachtung und Speicherung der Daten.

Wie verändert sich das Verhältnis des einzelnen zu sich selbst, wenn er oder sie sich immer mehr und öfter in virtuellen Welten bewegt, wissend, Spuren zu hinterlassen, die von unbekannten Dritten gelesen und gesammelt werden? Wie verhalten sich die Person offline und die Person online zueinander – sind sie dieselben oder verschiedene, beeinflussen sie sich wechselseitig? Und sind die gespeicherten Daten und Profile ein Teil unseres Selbst, der authentische Ausdruck unserer Persönlichkeit – oder nur ein fremdes Konstrukt? Als Beginn eines Forschungsprojekts am Forschungskolleg Humanwissenschaften diskutieren die Expertinnen und Experten diese und andere Fragen.

Professor Dr. Spiros Simitis lehrt Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht, Europäisches Recht, Rechtsinformatik, insbesondere Datenschutz an der Goethe-Universität. Er ist Wissenschaftlicher Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften. Von 2001 bis 2005 war er Vorsitzender des Nationalen Ethikrates, von 1975 bis 1991 Datenschutzbeauftragter des Landes Hessen. Simitis bekleidete zahlreiche internationale Ämter und ist nach wie vor auch als Berater für die Europäische Union aktiv.

Professor Dr. Klaus Günther lehrt Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er ist Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg Humanwissenschaften und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität.

Constanze Kurz ist Diplom-Informatikerin und hat 2011 zusammen mit Frank Rieger den Bestseller „Die Datenfresser“ geschrieben. Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung verfasst sie regelmäßig Artikel über Netzthemen, sie gehört der „Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft“ an, arbeitet in Berlin an der Universität und ist ehrenamtlich Sprecherin des Chaos Computer Club.

Kathrin Passig arbeitet als freie Autorin und Journalistin in Berlin. Zu ihren zahlreichen Aktivitäten im Internet zählt ihr Engagement für die virtuelle Firma „Zentrale Intelligenz Agentur“ und den Weblog „riesenmaschine.de“. Mit ihrem literarischen Debüt, der Erzählung „Sie befinden sich hier“, gewann Passig 2006 den Ingeborg-Bachmann-Preis und den Kelag-Publikumspreis bei den Klagenfurter Tagen der Deutschsprachigen Literatur.

Professor Dr. Hartmut Rosa lehrt Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er ist Sprecher der Kollegforscher(innen)gruppe der DFG „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“ sowie Direktor des Forschungszentrums Laboratorium Aufklärung (FSU Jena). 2005 erschien sein Buch „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Prof. Spiros Simitis, Tel: 069/798-34240, simitis@jur.uni-frankfurt.de, Bernd Frye, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel: (06172) 13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de