„Entwicklungszusammenarbeit ist Friedenspolitik“

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften eröffnet seinen Betrieb im Frühjahr mit einer Reihe zur internationalen Entwicklungspolitik

Veröffentlicht am: Freitag, 23. Januar 2009, 00:00 Uhr ()

BAD HOMBURG. Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ist ein Schlüssel für globale Gerechtigkeit. Doch zielen die bisher unternommenen Anstrengungen auch tatsächlich in die richtige Richtung, oder sind selbst gut gemeinte Hilfsangebote in Wirklichkeit sogar kontraproduktiv? Um eine kritische Analyse ausgewählter Aspekte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit geht es, wenn das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität im Frühjahr 2009 in Bad Homburg seine Tätigkeit aufnimmt.

Die Reihe beginnt mit einem öffentlichen Vortrag von Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der UNO und zuvor Bundesumweltminister. Es folgen zwei weitere öffentliche Vorträge der an renommierten US-amerikanischen Universitäten lehrenden Wissenschaftler Prof. Thomas Pogge und Dr. David Ellerman. Die mehrtägigen Aufenthalte der beiden Wissenschaftler werden von der Herbert Quandt-Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Rahmen der 'Schweickart-Fellowships' finanziert. Das zu Ehren Prof. Nikolaus Schweickarts ins Leben gerufene transatlantische Gastdozentenprogramm ist mit einer Fördersumme von insgesamt 80.000 Euro für die Dauer von zwei Jahren ausgestattet. Es ermöglicht den Aufenthalt von insgesamt vier Wissenschaftlern US-amerikanischer Universitäten am Forschungskolleg. Schweickart hat sich sowohl in der Herbert Quandt-Stiftung als auch im Stifterverband an führender Stelle engagiert. Zudem ist er Honorarprofessor der Goethe-Universität.

Am Forschungskolleg Humanwissenschaften, einer Kooperation der Goethe-Universität mit der Werner Reimers Stiftung Bad Homburg, werden Experten aus aller Welt gemeinsam mit Wissenschaftlern aus der Region fachübergreifend zu gesellschaftlich relevanten Fragen forschen. Themenstellungen und Projekte stehen in enger Verbindung mit Forschungsschwerpunkten der Universität. "An der Goethe-Universität haben wir seit einigen Jahren in verschiedenen Forschungsbereichen Fragen der Entwicklungszusammenarbeit thematisiert insbesondere in Bezug auf unsere Afrikaforschung", so Prof. Ingwer Ebsen, Vizepräsident der Universität. "Die Veranstaltungsreihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften gibt unseren Forschungsbereichen die Möglichkeit, mit renommierten internationalen Wissenschaftlern den kritischen Austausch über Fokus und Themenstellung unserer eigenen Forschungstätigkeit zu pflegen."

Der öffentliche Auftaktvortag von Klaus Töpfer wird am 28. April stattfinden. Das Thema lautet "Nachhaltige Entwicklung – die Friedenspolitik der Gegenwart und der Zukunft". Der promovierte Volkswirtschaftler, der u.a. an der Goethe-Universität studierte, erhielt zahlreiche Auszeichnungen vor allem auch mit Blick auf seinen Einsatz für die Lösung der globalen Umweltprobleme und sein Eintreten für die Belange der Länder der Dritten Welt. "Gerade im Vortrag von Herrn Töpfer wird es um die Verbindung höchst aktueller Fragen gehen, nämlich der zwischen Armut, Entwicklung und Klima", erläutert Prof. Spiros Simitis, der wissenschaftliche Direktor des Forschungskollegs. "Ich freue mich, dass wir mit dem wichtigen und vielschichtigen Thema Entwicklungszusammenarbeit unsere Arbeit aufnehmen", so Simitis weiter. Man wolle dabei von Anfang an die Öffentlichkeit mit einbinden, um das Forschungskolleg als ein Forum des Dialogs zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft zu etablieren.

Am 11. Mai steht der Vortrag von Prof. Thomas Pogge auf dem Programm. Der gebürtige Deutsche hat in Hamburg studiert und in Harvard promoviert. An der Yale University lehrt er Philosophie und internationale Angelegenheiten. Pogge spricht über die "Vermessung des Fortschritts: Indizes für Armut, Entwicklung und Geschlechtergerechtigkeit". Im Mittelpunkt steht eine Erörterung, wie Fortschritt definiert und bewertet wird. Wenn die Vorgaben und Instrumente nichts taugen, werden riesige Summen und Entwicklungsanstrengungen fehlgeleitet.

Von der University of California kommt Dr. David Ellerman Mitte Juni an das Forschungskolleg. Er ist Philosoph, Ökonom und Mathematiker. In seinem Vortrag beschäftigt er sich mit der Frage, warum so viele Entwicklungsprojekte an dem Anspruch, Hilfe zur Selbsthilfe zu sein, scheitern. Ellerman, der lange Jahre bei der Weltbank arbeitete, versteht seinen in englischer Sprache gehaltenen Vortrag auch als Anleitung, wie man es nicht tun sollte. Der Originaltitel lautet: "Towards a Theory of Unhelpful Help: Why so much development assistance does not help people to help themselves." Pogge und Ellerman werden auch wissenschaftliche Seminare mit Studierenden und Forschern der Goethe-Universität durchführen. "Wir danken der Herbert Quandt-Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, dass sie diese Gastdozenturen durch ihre "Schweickart Fellowships" unterstützen", betont der Kolleg-Direktor Prof. Spiros Simitis.

Von Seiten der Quandt-Stiftung erläutert ihr Vorstand Dr. Albrecht Graf von Kalnein den besonderen Aspekt des Engagements: "Die 'Schweickart Fellowships' möchten die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika fördern. So will die Herbert Quandt-Stiftung ein Zeichen setzen für den internationalen und interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch über Themen, die einer gemeinsamen akademischen Lösung bedürfen.“ Das Programm trage den Namen von Professor Nikolaus Schweickart als Ausdruck des respektvollen Dankes für dessen langjährige Arbeit als Vorstandsvorsitzender der Herbert Quandt-Stiftung, so von Kalnein weiter. Die Förderung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft gelte der Würdigung Schweickarts für sein Engagement im Präsidium des Stifterverbandes.

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel: (06172) 13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de