60 Jahre Comics “Made in Germany”

Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek

Veröffentlicht am: Dienstag, 22. Januar 2008, 00:00 Uhr ()

FRANKFURT. Die Ausstellung „Comics made in Germany - 60 Jahre Comics in Deutschland“, die vom 24. Januar bis 24. Mai 2008 in der Deutschen Nationalbibliothek gezeigt wird, nimmt einen Rückblick auf Stoffe und Stile, Helden und Serien, Erfolge und Kuriositäten des deutschen Comics. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Bücher und Taschenbücher, Alben und Hefte unterschiedlicher Formate aus den Sammlungen der Deutschen Nationalbibliothek und des Instituts für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Als Kurator der repräsentativen Schau zeichnet Dr. Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung verantwortlich. Er ist einer der führenden Comic-Forscher im deutschsprachigen Raum und arbeitet seit mehr als 25 Jahren auf diesem Gebiet. „Diese Ausstellung und das Begleitbuch bieten erstmals eine zusammenhängende Darstellung der Entwicklung des Comic-Schaffens deutscher Autoren und Zeichner,“ so Dolle-Weinkauff.

Schon in den frühen 1950er Jahren suchte man in Deutschland der Konkurrenz der schnell berühmt gewordenen Helden aus Italien, Frankreich und den USA die Stirn zu bieten. In allen klassischen Abenteuergenres von Robinsonade und Dschungelerzählung bis Western und Science fiction waren auch Serien aus deutscher Produktion vertreten. Manche darunter, wie Sigurd, der ritterliche Held oder Tibor, Sohn des Dschungels und Nick, der Weltraumfahrer erreichten Auflagen, die in die Hunderttausende gingen. Der Aufbruch des deutschen Comic erfasste im gleichen Maße auch die humoristische Spielart der Gattung. Vor allem mit Rolf Kaukas Eulenspiegel und Fix und Foxi entstanden den Helden der Disney Comics langjährige, ernsthafte Rivalen in der Publikumsgunst. Und auch im anderen deutschen Staat DDR begann 1955 mit dem Monatsmagazin Mosaik eine eigene Comic-Tradition.

Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Comics in Deutschland über verschiedene Phasen, Phänomene und Strömungen hinweg bis in die Gegenwart. Sie reicht von den Pionieren der Bildgeschichte Ende der 1940er Jahre bis hin zu den jungen deutschen Mangaka in der Gegenwart, die Geschichten in der Manier des japanischen Comic schreiben und zeichnen. Vorgestellt werden die prägenden Autoren und Reihen des Comic. Comics von Frankfurter Autoren und Zeichnern und ihrem Beitrag zur Entwicklung der Gattung Comic, angefangen von Cefischers legendärem Oskar, der Familienvater (seit 1950) bis hin zu den Satirikern der ‚Neuen Frankfurter Schule’, angeführt von Robert Gernhardt, Hans Traxler und F.K. Waechter, ist eine eigene Abteilung der Schau gewidmet. Die Comics der APO-Generation von 1968 wie Alfred von Meysenbugs Super-Mädchen sind ebenso zu sehen wie Comics aus der Zeit der Jugend- und Alternativkultur, vertreten etwa durch das Werk Gerhard Seyfrieds oder Brösels Motorradfreak Werner.

Ohne eine strenge Chronologie einzuhalten, folgt die Ausstellung einzelnen Etappen der Entwicklung des Comic, lässt Seitenblicke zu und fokussiert inhaltliche, buch- und mediengeschichtliche, stilistische und andere brisante Schwerpunkte. In aktuellen Pressestrips wie Volker Reiches Strizz, wie auch in Karikatur, Parodie und biografischer Erzählung versammeln sich Bilder und Selbstbilder von Zeitgenossen, während die Graphic Novel sich nun geradezu selbstverständlich an literarische Vorlagen heranwagt: Tabu sind weder die Klassiker Schiller und Goethe noch Werke moderner Autoren wie Uwe Timms Erfindung der Currywurst - als Comic realisiert von Isabel Kreitz 1996 - oder Wolfgang Hohlbeins Chronik der Unsterblichen, 2004 gezeichnet von Thomas von Kummant. Entsprechend den gegenwärtigen literarischen Trends stehen Fantasy, Mystery und Science Fiction hoch im Kurs, wobei die Comic-Autoren die besonderen Möglichkeiten der visuellen Ausgestaltung fantastischer Szenarien auf opulente Weise nutzen.

Das Projekt wird unterstützt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main und der Gesellschaft für das Buch. Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch (23. Januar) um 18 Uhr sprechen: Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Leiter des Instituts für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Dr. Roland Kaehlbrandt, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, die Einführung gibt Dr. Bernd Dolle-Weinkauff.

Presseführung
mit Kurator Dr. Bernd Dolle-Weinkauff
22. Januar (Dienstag) 11.00 Uhr*
Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt,
Adickesallee 1


Ausstellungseröffnung

23. Januar (Mittwoch) 18 Uhr, Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt, Adickesallee 1

Öffnungszeiten der Ausstellung:Montag bis Donnerstag von 10 bis 20 Uhr, Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen geschlossen.

Nähere Informationen: Dr. Bernd Dolle-Weinkauff, Institut für Jugendbuchforschung, Telefon 069-798- 33001 oder 798-32995, E-Mail: dolle-weinkauff@rz.uni-frankfurt.de;
im Internet:
www.dnb.de/aktuell/presse/pressemitt_comics.htm. Oder
www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/jubufo/

Presseführung: mit Kurator Dr. Bernd Dolle-Weinkauff 22. Januar (Dienstag) 11.00 Uhr, Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt , Adickesallee 1